Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

15.12.2020

Schweigen hilft nur den Tätern

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes will die Sicherheit in der Bevölkerung verbessern

Weihnachtliche Gefühle? Für viele Menschen wird gerade die Weihnachtszeit zum Albtraum, jedes Jahr steigen während der sogenannten besinnlichen Festtage die Fallzahlen häuslicher Gewalt. Dazu kommt in diesem Jahr noch die Covid-19-Pandemie, die diverse Stressfaktoren, etwa finanzielle Sorgen, Unsicherheiten und Zukunftsängste, ohnehin längst verstärkt. „Frauen und Kinder sind besonders von Gewalt betroffen, häufig in den eigenen vier Wänden“, betont Kriminaloberrat Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. „Deshalb nehmen wir ganz speziell die Hilfsangebote in den Fokus.“ Zielsetzung sei es, über Kriminalität aufzuklären und Schutzempfehlungen zu vermitteln.

Initiativ gegen Gewalt

Auch wenn gegenwärtig noch keine behördlich ausgewerteten Zahlen und Statistiken vorliegen, ist dennoch erkennbar, dass Kontaktsperren, Quarantänemaßnahmen und Lockdowns zu mehr Gewalttaten führen. Auf ihrer Webseite hat die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (www.polizei-beratung.de) bereits eine eigene Rubrik zu Corona-Straftaten und begleitenden Hilfsangeboten eingerichtet – dabei verweist die Behörde auch auf das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Die Kriminalexpertinnen und -experten ermutigen von Gewalt betroffene Frauen, das Schweigen zu brechen, sich professionelle Unterstützung auf unterschiedlichen Ebenen zu holen und nicht die Täter zu schützen. Nur durch Strafanzeigen könnten diese zur Rechenschaft gezogen und weitere potenzielle Opfer geschützt werden.

„Wir entwickeln in bundesweiten Projektgruppen Konzepte, Medien und Initiativen, die über Kriminalität aufklären und Schutzempfehlungen vermitteln“, so Schmidt. Die Themenfelder häusliche Gewalt, Sexualstraftaten und Stalking nehmen die Expertinnen und Experten besonders in den Blick und informieren über Hintergründe, Zusammenhänge, persönliche Möglichkeiten, polizeiliche Maßnahmen, rechtlichen Schutz und vieles mehr. Häusliche Gewalt beispielsweise besitzt viele Erscheinungsformen. Dazu zählen subtile Verhaltensweisen, die die Bedürfnisse und Befindlichkeiten des Gegenübers ignorieren, Demütigung, Beleidigung, Einschüchterung, psychische, physische und sexuelle Misshandlung, Freiheitsberaubung, Vergewaltigung und (versuchte) Tötung.

Opfer tragen keine Schuld

Nahezu alle dieser Handlungen sind gesetzlich mit Strafe bedroht, in vielen Haushalten liegen gleich mehrere Straftatbestände vor. Menschen aller Bildungs- und Einkommensschichten, Altersgruppen, Nationalitäten, Religionen und Kulturen sind von häuslicher Gewalt betroffen – im Jahr 2019 waren über 80 Prozent der Opfer Frauen. Studien belegen zudem, dass ein Viertel aller Frauen in Deutschland irgendwann in ihrem Leben häusliche Gewalt erfahren. In den meisten Fällen findet die Gewalt in den eigenen vier Wänden statt.

Opfer haben niemals Schuld, die Verantwortung liegt allein bei den Tätern – auch dieser wichtige Hinweis ist auf der Webseite www.polizei-beratung.de zu finden. Darüber hinaus erfahren Betroffene, wie sie sich im Akutfall verhalten können, welche Maßnahmen die Polizei einleiten kann, wie sie zivilrechtlichen Schutz beantragen und professionelle Unterstützung erhalten. Kriminaloberrat Schmidt resümiert: „Wichtig ist uns, von Gewalt betroffene Menschen möglichst frühzeitig zu erreichen, ihnen Wege aus der Gewalt aufzuzeigen – und Straftaten im Idealfall erst gar nicht entstehen zu lassen.“ Vielleicht kann dies in einigen Fällen helfen, die Problemfelder rund um das Weihnachtsfest und die allgemeine Coronalage zu entschärfen.

Kriminaloberrat Harald Schmidt mit Aktionsschild
© Polizeiliche Kriminalprävention

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