Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

11.12.2018

"Echte Kerle schlagen nicht!" – neue Anti-Gewalt-Kampagne in Recklinghausen

Die Kampagne "Echte Kerle schlagen nicht!" geht in eine neue Runde – diesmal mit starken Typen der Kommunalen Servicebetrieben Recklinghausen (KSR). Auf zwei Müllfahrzeugen der Stadt setzen Mitarbeiter der Stadtreinigung ein starkes Zeichen gegen häusliche Gewalt.

Mit Müllwagen gegen Gewalt an Frauen

Auf den Plakaten posieren sechs Männer neben dem Kampagnen-Motto und der Rufnummer des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen". Mesut Sahin ist einer von ihnen. Er sagt: "Viele Frauen haben Angst, zur Polizei zu gehen. Sie fürchten womöglich noch mehr Gewalt, oder dass das Jugendamt die Kinder holt." Ihnen wollen Sahin und seine Kollegen Mut machen, sich Hilfe zu suchen. Außer auf den beiden Müllfahrzeugen der KSR sind der Schriftzug und die sechs KSR-Mitarbeiter auch an der Umladestelle am Beckbruchweg zu sehen.

Initiator der im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Kampagne "Echte Kerle schlagen nicht!" ist der "Runde Tisch gegen häusliche Gewalt". Ihm gehören unter anderem Vertreter von Stadt, Polizei und Frauenberatung an. 2017 zeigten Schalke-Torwart Ralf Fährmann, Schauspieler Wichart von Roëll und Bürgermeister Christoph Tesche Gesicht gegen häusliche Gewalt – und zwar auf einem Bus der Vestischen.

"Gewalt geschieht nicht nur in Hochhäusern"

Allein 2017 nahm die Polizei im Stadtgebiet von Recklinghausen 376 Fälle von häuslicher Gewalt zur Anzeige. Meist trifft es Frauen: Von den 606 Opfern und Betroffenen im Vorjahr waren 430 weiblich, darunter auch Kinder. Die Opferschutzbeauftragte im Recklinghäuser Präsidium, Dagmar Wagner, spricht von einer "gewaltigen Dunkelziffer". Aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß die Kriminalhauptkommissarin, dass häusliche Gewalt nicht nur in Hochhäusern geschieht. "Das zieht sich durch alle Schichten." Oft seien es die Nachbarn, die die Polizei rufen, seltener die Beteiligten selbst. Dabei liege es in der Natur der Sache, dass häusliche Gewalt in Einfamilienhäusern auf weitläufigen Grundstücken häufiger unentdeckt bliebe.

Sie unterstützen die "Echten Kerle" auf dem Müllwagen: (v.l.) Dagmar Wagner,
Martina Schulze-Entrup, Manuela Sabozin-Oberem, Gabriele Steuer und
Andrea Wilhelm vom "Runden Tisch gegen häusliche Gewalt". Foto: Jörg Gutzeit

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