Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

05.04.2022

Positive Signale senden: Mit seinen Bildern will das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ Betroffene Mut machen

Wer kennt das nicht? Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Es kann schockieren, erfreuen, zu Tränen rühren oder Mut machen. Bilder lösen vielfältigste Emotionen aus, daher sollte ihre Auswahl gerade im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Gewalt wohlüberlegt sein. Was bedeutet das konkret für die Öffentlichkeitsarbeit des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“? Wie sollten seine Bilder gestaltet werden, um die Zielgruppe der gewaltbetroffenen Frauen über positive Signale zu erreichen?

Im Einklang mit den Beratungsgrundsätzen

Ob Plakate, Videos, Informationsmaterialien, Kampagnen, Aktionen oder die Webseite des Hilfetelefons: Kaum eine öffentlichkeitswirksame Aktivität kommt ohne Bildmaterial aus. „In unseren Bildwelten wollen wir Frauen nicht als hilflose Opfer darstellen“, sagt Stefanie Keienburg, die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. „In unseren Kampagnen verzichten wir bewusst auf Schockbilder, explizite Gewaltdarstellungen und Stereotypisierungen. Wir achten vielmehr darauf, mutige, selbstbestimmte Frauen zu zeigen, die entschlossen sind, einen Weg aus der Gewalt zu finden.“ Ziel ist es, Frauen mit den Kampagnen anzusprechen und zu motivieren; im Idealfall sollten sie sich mit den dargestellten Motiven identifizieren. Keienburg betont: „Sprache und Bilder müssen dafür im Einklang mit unseren Beratungsgrundsätzen stehen.“ Jede einzelne Kommunikationsmaßnahme orientiert sich an den Leitlinien des Hilfetelefons. Dazu zählen insbesondere das Empowerment, die Anonymität, die Vertraulichkeit – und, dass Gewalt niemals akzeptabel und es auch nicht der Fehler der Frauen ist, wenn sie Opfer von Gewalt werden.

Betroffene nicht auf „Opfer“-Erlebnis reduzieren

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ verwendet keine Bilder von Gewaltszenen. Aus guten Gründen: Zum einen sollen Frauen in ihrer Verletzlichkeit und ihrem Leid nicht bloßgestellt und auf ein einzelnes Gewalterlebnis reduziert werden. Zwar ist Gewalt – egal in welcher Form – immer ein einschneidendes Erlebnis für Betroffene, viele lehnen es jedoch ab, als „Opfer“ bezeichnet zu werden. Zum anderen gilt es, eine Stigmatisierung der Betroffenen zu vermeiden und mögliche Retraumatisierungen aufgrund von Öffentlichkeitsmaßnahmen zu verhindern. „Mit der Auswahl der Bildbotschaften geht eine große Verantwortung einher“, so Keienburg. Unpassende Motive könnten bei gewaltbetroffene Frauen unter Umständen Erinnerungen an traumatische Erlebnisse hervorrufen (triggern) und retraumatisierende Wirkungen hervorrufen. Zudem könnte das sogenannte Victim Blaming verstärkt werden, wenn Opfer von Gewalt die Schuld dafür bei sich selbst suchen. „Und das wollen wir auf jeden Fall vermeiden!“

Perspektivwechsel erwünscht

Wenn Bilder Mut machen sollen, dürfen Frauen nicht als passive und hilflose Opfer dargestellt werden. Was auf den ersten Blick logisch und nachvollziehbar klingt, entspricht jedoch nicht unserer medialen Realität. Gerade in der Berichterstattung über Häusliche Gewalt sind oftmals Bilder zu sehen, in denen etwa ein Mann zum Schlag ausholt, während die Frau auf dem Boden kauert und die Hände zum Schutz vor ihr Gesicht hält. „Solche Bilder sind nicht nur furchteinflößend und schockierend, sie beeinflussen auch maßgeblich den gesellschaftlichen Blick auf Gewalt gegen Frauen, die häufig ausschließlich mit körperlicher Gewalt assoziiert wird. Gleichzeitig manifestieren sie die Perspektive des Täters“, analysiert Keienburg. „Dessen Erzählung wird wiederholt, in dem die Frau in ihrer vermeintlichen Wehr- und Hilfslosigkeit dargestellt wird.“ Aus ihrer Sicht braucht es einen Perspektivwechsel, der vom Blick des Täters wegführt und die Perspektive der Frau einnimmt.

„Jede kann es schaffen.“

„Die Motive unserer jüngeren Kampagnen transportieren klare Botschaften“, erklärt Keienburg. „Mit Frauenportraits stellen wir die Betroffenen selbst in den Fokus und lassen sie ihre eigene Geschichte erzählen.“ Ihr entschlossener Blick in die Kamera schafft Nähe und signalisiert Betroffenen: Wir schweigen nicht länger. Jede Einzelne von uns hat den Mut gefasst, sich Hilfe und Unterstützung zu suchen. Du kannst es auch schaffen. Es gibt einen Weg aus der Gewalt.

Lebenswirklichkeiten abbilden

„Bei der Auswahl der Models für unsere Kampagnen achten wir auch darauf, die Heterogenität der Zielgruppe abzubilden und verschiedene Lebenssituationen zu zeigen“, erklärt die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. Denn Gewalt an Frauen geschieht unabhängig vom Alter, sozialer und ethnischer Herkunft, Religion, sexueller Orientierung und Identität. Einen besonderen Fokus legt das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ zudem auf Frauen mit Behinderung oder Beeinträchtigung, da diese oftmals in besonderem Maße von Gewalt betroffen sind.

Fokus auf Frauen

„Bilder kann man nicht ganz von Geschichten trennen“, fasst Keienburg zusammen. Umso wichtiger ist es, den Fokus statt auf den Täter auf die Frau zu richten – in respekt- und würdevoller Art und Weise. Sie ist die Protagonistin, die sich aus der Gewaltsituation lösen und dabei Unterstützung in Anspruch nehmen kann. Genauso arbeiten die Beraterinnen des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“: Sie orientieren sich stets an den persönlichen Stärken und Ressourcen der Ratsuchenden und vermitteln ihnen, dass es Wege aus der Gewalt gibt. „Das Grundprinzip des Empowerments wollen wir in all unseren öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten abbilden, um so viele Frauen wie möglich zu ermutigen, einen ersten Schritt aus der Gewalt zu gehen und die 08000 116 016 zu wählen.“

Unsere aktuellen Kampagnen finden Sie hier:

www.hilfetelefon.de/kampagnen-aktionen/kampagnen

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