Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

20.7.2018

"Sexualisierte Gewalt hat in der Fankurve nichts zu suchen" – Das Projekt "Kicks für alle!" will Gewalt und Sexismus aus deutschen Fußballstadien verbannen.

In ihrem aktuellen Forschungsprojekt "Kicks für alle!" untersuchen Gender-Experte Robert Claus und sein Team geschlechtsspezifische Rollenbilder und Gewalt unter Fußballfans. Dazu hat die interdisziplinäre Forscher*Innengruppe bundesweit Fanprojekte interviewt. Mit den Ergebnissen haben selbst die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht gerechnet: "Dass sexualisierte Gewalt bei Fans so ein großes Thema ist, hat uns überrascht", so Claus. Viel zu oft werde Gewalt gegen Frauen bagatellisiert und bei Vorfällen einfach weggesehen. Nach Angaben der Deutschen Fußball Liga ist mittlerweile knapp ein Viertel der Stadionbesucher in der Bundesliga weiblich – Tendenz steigend. Die Frage nach Rollenverständnissen von Weiblichkeit und Männlichkeit sowie und der Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt wird daher immer relevanter.

Basierend auf den empirischen Erkenntnissen konzipiert das Forschungsteam im Rahmen der sozialpädagogischen Fanarbeit nun Workshops, um Fußballfans stärker für sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren. Dabei wollen sie auch auf das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" hinweisen, das eine erste Anlaufstelle sein kann – für Betroffene, aber auch Fans, die Gewalt gegen Frauen in ihren Clubs beobachten und nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen.

Das auf vier Jahre angelegte Forschungs- und Qualifizierungsprojekt "Kicks für Alle!" wird im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Alle bisherigen Forschungsergebnisse können in der Publikation "Geschlechterverhältnisse in Fußballszenen" nachgelesen werden. Hier gelangen Sie zur digitalen Ausgabe: library.fes.de/pdf-files/dialog/12993-20170522.pdf

Robert Claus leitet das Modellprojekt "Kicks für Alle! – Fußball. Fanszenen. Geschlechtervielfalt". Zu seinen Arbeits- und Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Rechtsextremismus, Geschlechterverhältnisse und Männlichkeitsforschung sowie der Themenkomplex Fußball, Sport und soziale Inklusion. Neben seiner Forschungstätigkeit berät der studierte Ethnologe und Gender-Experte auch Fußballclubs wie Borussia Dortmund im Engagement gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung.

Cristin Gießler war bis 2014 Sozialarbeiterin im Bereich häusliche Gewalt gegen Frauen bei der BIG-Hotline. Seit 2015 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Modellprojekt. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem geschlechterreflektierte Pädagogik sowie Geschlechterverhältnisse in Fußballfanszenen.

Franciska Wölki-Schumacher ist Sportwissenschaftlerin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Modellprojekt. In ihrer Arbeit widmet sie sich unter anderem den Schwerpunkten Fußballfankulturen sowie dem Verhältnis von Fußball, Sport und Geschlecht.

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