Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

14.06.2022

Starke. Frauen. Machen.

Bundes-Netzwerk der Frauen-Beauftragten in Einrichtungen

„Seit dem Jahr 2017 ist es gesetzlich verankert: In jeder Werkstatt für Menschen mit Behinderung muss es eine Frauen-Beauftragte geben“, sagt Ricarda Kluge, Leiterin des Projekts zur Unterstützung des Bundes-Netzwerks der Frauen-Beauftragten in Einrichtungen von Weibernetz e. V. „Das ist deshalb so wichtig, weil Frauen mit Behinderung viel stärker von Gewalt betroffen sind als Frauen ohne Beeinträchtigungen. Sie brauchen besondere Unterstützung und darum kümmern wir uns auf politischer, gesellschaftlicher und persönlicher Ebene.“

In den Werkstätten

Was Interessenverbände bereits Anfang der 2000er-Jahre forderten, ist dank der politischen Arbeit von Weibernetz heute erfolgreiche Wirklichkeit: Frauen-Beauftragte widmen sich den speziellen Anliegen von Frauen, stärken sie, bilden Netzwerke und sensibilisieren für das Thema Gewalt am Arbeitsplatz. „Von unserer Arbeit profitiert jede einzelne Einrichtung“, betont Nicole Burek, Vorständin im Bundes-Netzwerk der Frauen-Beauftragten und gewählte Frauen-Beauftragte der Bielefelder Stiftung Bethel – proWerk. In ihrer Funktion vor Ort begleitet sie Frauen, etwa wenn diese von Mobbing, sexueller Belästigung oder Gewalt betroffen sind.

Gut akzeptiert?

„Wichtig ist, dass man als Frauen-Beauftragte einfühlsam agiert und versucht, gemeinsam mit der betroffenen Frau eine für sie passende und individuelle Lösung zu finden“, erklärt Burek. „Dafür braucht man viel Fingerspitzengefühl.“ Zu ihrem Aufgabengebiet zählen unter anderem Einzelgespräche mit Betroffenen, Tätern, Kollegen und Vorgesetzten, auf Wunsch die Begleitung der Frauen zu Polizei und Beratungsstellen sowie die Dokumentation und Evaluation der einzelnen Fälle. Manchmal stoße sie aber auch auf Widerstände, wenn ein Vorfall von Kollegen nicht ernst genommen oder heruntergespielt wird. „Der Erfolg unserer Arbeit hängt deshalb maßgeblich von der Unterstützung durch die Geschäftsleitungen ab.“ Im Klartext bedeute das, parallel auch viel Aufklärungsarbeit über die Funktion von Frauen-Beauftragten zu leisten.

Aufgaben des Bundes-Netzwerks

An dieser Stelle setzt das Bundes-Netzwerk der Frauen-Beauftragten an. Ziel ist es, die Frauen-Beauftragten zu schulen, zu stärken und bundesweit zu vernetzen und zu empowern. Dafür wird unter anderem auf Empowerment durch ein „Train-the-Trainer“-Schulungsprogramm gesetzt. „Je besser die Frauen-Beauftragten selbst ausgebildet sind und über Problemfelder Bescheid wissen, desto mehr können sie im Sinne des Gewaltschutzes innerhalb der Werkstätten für die einzelnen Frauen erreichen“, so Kluge. Auch online steht Schulungs- und Informationsmaterial bereit, das Interessierte herunterladen können: „Mitmachen. Mut machen!“, „Unsere Rechte als Frauen“, „Infos zur Werkstätten-Mitwirkungsverordnung“ oder „Was ist wichtig für die Arbeit von Frauen-Beauftragten?“.

Während der Pandemie

Wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen brachte die Covid-19-Pandemie auch für Frauen-Beauftragte besondere Herausforderungen mit sich: Werkstätten waren geschlossen, gewaltbetroffene Frauen isoliert und die Frauen-Beauftragten schwer erreichbar. Als dann die schrittweise Öffnung erfolgte, lagen die Prioritäten der Einrichtungen auf Pandemieplänen, Schutzkonzepten und Wirtschaftlichkeitsfragen. Die Belange der Frauen standen hinten an, was viele Frauen-Beauftragte zunächst entmutigte. Burek betont: „Durch unser Bundes-Netzwerk konnten wir die Problemfelder jedoch schnell orten und Verbesserungen auf den Weg bringen. Wir haben Telefonsprechstunden eingerichtet und die digitale Ausstattung der Frauen-Beauftragten verbessert.“

Es gibt noch viel zu tun

Obwohl bereits vieles auf den Weg gebracht ist, stehen weitere Themen auf der Agenda: Manche Frauen wissen nicht, dass es eine Interessenvertretung durch Frauen-Beauftragte in ihren Einrichtungen vor Ort bzw. externe Unterstützungsmöglichkeiten wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ gibt. Eine andere „Baustelle“ sind Wohneinrichtungen, in denen es bundesweit flächendeckend nach wie vor keine gesetzliche Verpflichtung für die Einrichtung von Frauen-Beauftragten gibt. „Neben der Öffentlichkeitsarbeit sprechen wir gemeinsam mit dem Bundes-Netzwerk der Frauen-Beauftragten daher auch gezielt die Politik an“, erklärt Kluge. Ob im privaten Bereich, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum – viel zu viele Frauen mit Behinderung hätten Gewalterfahrungen. „Ich weiß, was das bedeutet“, so Burek. „Genau deshalb ist es mir ein persönliches Anliegen, mich im Bundes-Netzwerk der Frauen-Beauftragten zu engagieren!“

www.frauenbeauftragte.weibernetz.de

www.weibernetz.de

www.prowerk-bethel.de

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