Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

20. Juni 2022

Jahresbericht 2021 – Bedarf nach Beratung bleibt hoch

Rund 54.000 Beratungen verzeichnet das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ im Jahr 2021 – das entspricht einem Anstieg von fünf Prozent gemessen an dem Vorjahr. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist das Beratungsaufkommen durchgängig erhöht. Die mit der Pandemie verbundenen Unsicherheiten und Einschränkungen prägen und verändern auch im zweiten Jahr der Krise die Beratungsarbeit beim Hilfetelefon.

Häusliche Gewalt weiterhin Schwerpunktthema

Wie in den Vorjahren geht es in 60 Prozent der Beratungen um Häusliche Gewalt. Alle 20 Minuten erreicht das Hilfetelefon eine Anfrage, bei der die Gewalt durch den (Ex-)Partner eine Rolle spielt. Dabei zeigt sich, dass Corona-bedingte Beschränkungen und Belastungen nicht die Ursache für Häusliche Gewalt sind, aber das Risiko erhöhen, dass schwierige und konflikthafte Situationen eskalieren, Gewalt zunimmt und Übergriffe massiver und häufiger werden.

Beratungen ohne frauenspezifische Gewaltthematik

Corona-bedingt suchen auch 2021 vermehrt Menschen Unterstützung beim Hilfetelefon, die nicht über konkrete Gewalterfahrungen berichten: Um 13 Prozent steigen demnach die Beratungen zu allgemeinen Problemen und Lebenskrisen. Corona hat bei vielen Menschen finanzielle Sorgen, Unsicherheiten und Zukunftsängste verstärkt. Viele sind verzweifelt und suchen nach Entlastung.

Besonders belastet sind nach unserem Eindruck Menschen in psychischen Krisen und mit psychischen Erkrankungen: Um knapp ein Drittel nehmen 2021 die Anfragen von so genannten Dauernutzerinnen zu, die sich immer wieder und in kurzer Abfolge an das Hilfetelefon wenden. Viele weisen Gewalterfahrungen in ihren Biografien auf, ein konkretes Beratungsanliegen im Sinne der Kernaufgaben des Hilfetelefons – Erstberatung und Weitervermittlung – kann daraus nicht abgeleitet werden. Soziale Isolation und der Wegfall stabilisierender Angebote wie Selbsthilfegruppen, Tageskliniken und Therapien sind Gründe, weshalb sie sich an die rund um die Uhr erreichbare professionelle Beratung beim Hilfetelefon wenden.

Höhere Hürden für Betroffene

Insgesamt bestehen für von Gewalt betroffene Frauen unter den Rahmenbedingungen der Corona-Krise weiterhin höhere Hürden bei der Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten. Die nächsten Schritte aus der Gewalt sind schwieriger geworden. Für die Beratung beim Hilfetelefon bedeutet das oft, dass schon im Rahmen der Erstberatung auch bei schwierigen Fallkonstellationen gangbare Lösungen gefunden werden müssen.

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: Das Jahr in Zahlen 2021 – PDF, 882 MB

Pressemitteilung: Jahresbericht 2021 – Zahl der Beratungen stieg im Jahresvergleich um 5 Prozent – PDF, 236 KB

Infografik "Neun Jahre Hilfetelefon ´Gewalt gegen Frauen´ " – PDF, 1,5 MB

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