Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

5. Mai 2020

Jahresbericht 2019 – Bedarf nach Beratung bleibt hoch

Rund 45.000 Beratungskontakte und damit 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr – auch im siebten Jahr in Folge ist die Zahl der Beratungskontakte beim Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" gestiegen. Von 2013 bis 2019 haben die Beraterinnen insgesamt rund 230.000 Beratungen durchgeführt. Neben weiteren neuen Zahlen und einem Rückblick auf die Öffentlichkeitsarbeit 2019 zeigt der siebte Jahresbericht die besonderen Herausforderungen der Beratungsarbeit. Im Fokus stehen dabei insbesondere Trauma-Beratungen und ihre Auswirkungen auf die Beraterinnen.

Top-Thema: Trauma-Beratung

Die Zahl der Beratungen beim Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" nimmt Jahr für Jahr zu. Hinter der Statistik stehen viele persönliche Geschichten und individuelle Erfahrungen, viele Frauen, die oft von traumatisierenden Erlebnissen berichten. Diesen Schilderungen professionell zu begegnen und nicht selbst davon psychisch in Mitleidenschaft gezogen zu werden, ist eine tägliche Herausforderung für die Beraterinnen. Gezielte Schulungen und regelmäßige Supervisionen helfen ihnen, sich von den Gesprächen oder Chats im Nachhinein abzugrenzen. Selbstfürsorge steht dabei an erster Stelle – denn nur wer selbst stabil ist, kann anderen helfen. Das Thema Traumata und die Frage, wie die Beraterinnen beim Hilfetelefon mit diesen umgehen, stehen deshalb im Mittelpunkt des aktuellen Jahresberichts.

Mitmachen – Mut machen

Damit noch mehr Frauen den Weg zu Beratung und Unterstützung finden, hat das Hilfetelefon auch 2019 wieder verschiedene Aktionen gestartet. Neben vier Newslettern pro Jahr, unzähligen Posts auf Facebook und Twitter, neuen Infomaterialien und umfangreichen, bundesweiten Werbemaßnahmen stehen vor allem die Mitmachaktionen im Zentrum der Öffentlichkeitsarbeit. So rief Bundesfamilienministerin Franziska Giffey mit der Aktion "Sicher Dir Hilfe" im Juni dazu auf, die 08000 116 016 in so vielen elektronischen Adressbüchern wie möglich abzuspeichern. Über soziale Medien erreichte "Sicher Dir Hilfe" tausende Menschen, und mehr als 1.300 Mal wurde die Rufnummer des Hilfetelefons durch eine digitale Visitenkarte von der Internetseite heruntergeladen.

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November organisierte das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" erneut die Mitmachaktion "Wir brechen das Schweigen". Bürgerinnen und Bürger wurden dazu aufgerufen, unter dem Hashtag #schweigenbrechen ein Foto von sich mit der 08000 116 016 auf ihren Social-Media-Kanälen zu posten. Zahlreiche Menschen, darunter über einhundert Prominente wie Regisseur und Schauspieler Michael "Bully" Herbig, die Schauspielerin Karoline Herfurth sowie der Komiker Kaya Yanar beteiligten sich an der Aktion. Auch Politikerinnen und Politiker – von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bis hin zu Finanzminister Olaf Scholz nahmen an #schweigenbrechen teil. 1.112 Posts und Tweets mit diesem Hashtag wurden auf Facebook, Instagram und Twitter abgesetzt. Allein bei Twitter wurden so über 3,3 Millionen Menschen erreicht. Auch vor Ort in den Städten und Gemeinden machten zahlreiche Gleichstellungsbeauftragte wieder auf das Hilfetelefon und den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam.

Weiterer Anstieg der Beratungszahlen

Der siebte Jahresbericht gibt die wichtigsten Entwicklungen der Beratungsarbeit beim Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2019 wider. Grundlage bilden die Zahlen, die die Beraterinnen nach jedem Gespräch anonymisiert erhoben haben:

  • 2019 gab es 44.700 Beratungskontakte – sowohl per Telefon, Chat als auch E-Mail – und damit 6,5 Prozent mehr als 2018.
  • Rund 24.700 von Gewalt betroffene Personen nutzten das niedrigschwellige Angebot.
  • Mehr als 9.400 Personen aus dem sozialen Umfeld Betroffener und Fachkräfte wurden beraten.
  • Mit rund 3.500 Beratungen stieg auch die Nachfrage nach fremdsprachiger Beratung deutlich um mehr als 29 Prozent.
  • Fast 20.000 Beratungen fanden 2019 allein zum Thema häusliche Gewalt statt.
  • Zweithäufigstes Thema war sexualisierte Gewalt mit rund 4.400 Beratungen.
  • In mehr als 60 Prozent aller Beratungen konnten Ratsuchende an Beratungsstellen vor Ort und in rund 22 Prozent an Frauenhäuser weitervermittelt werden.
  • Seit seinem Start im März 2013 hat das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" insgesamt fast 230.000 Beratungen, sowohl telefonisch als auch online, durchgeführt.

Jahresbericht 2019 des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen" – PDF, 6,9 MB

Pressemitteilung: Jahresbericht 2019 – Zahl der Beratungen stieg im Jahresvergleich um 6,5 Prozent – PDF, 120 KB

Infografik "Sieben Jahre Hilfetelefon ´Gewalt gegen Frauen´ " - PDF, 78 KB

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