Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

10.05.2021

Jahresbericht 2020 zeigt deutlichen Anstieg der Beratungen

Das Jahr 2020 ist ein besonderes und in jeder Hinsicht herausforderndes Jahr. Die Corona-Pandemie hält das gesamte Team des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ seit dem Frühjahr in Atem – unter den äußeren wie internen Anforderungen steigt die Arbeitsbelastung deutlich. Trotz erschwerter Rahmen- und Arbeitsbedingungen gelingt es, Frauen auch in dieser schwierigen Zeit zur Seite zu stehen. Dafür werden unzählige logistische und organisatorische Herausforderungen gemeistert. Auch das kollegiale Miteinander ist gefragter denn je.

Verschärft die Pandemie die Lage für gewaltbetroffene Frauen?

Mit Beginn des ersten Lockdowns im März erreicht das Hilfetelefon vielfach die Frage, ob es durch die Corona-bedingten Einschränkungen zu einem Anstieg von häuslicher Gewalt kommt. Die Befürchtungen, die Situation von Frauen werde sich dramatisch zuspitzen, bestätigen sich vielerorts. Manche Polizeibehörden berichten von erhöhten Fallzahlen, Beratungsstellen und Frauenhäuser von Engpässen in der Beratung. Gleichzeitig steigt die Sorge, Betroffene könnten sich unter den Beschränkungen des Alltags noch mehr zurückziehen, seltener die Möglichkeit haben sich Unterstützung zu holen und noch weniger mit Angeboten des Hilfesystems erreicht werden.

Das Interesse daran, wie sich die Corona-Pandemie auf die Arbeit des Hilfetelefons auswirkt, ist das ganze Jahr über groß. Nicht nur Fachstellen möchten wissen, ob das Hilfetelefon einen erhöhten Zulauf an Beratungsanfragen verzeichnet. Auch die Medien zeigen verstärktes Interesse am Thema und am Hilfetelefon. Nimmt die Gewalt gegen Frauen zu? Kann das Hilfetelefon den höheren Beratungsbedarf bewältigen? Wie können Frauen auch in dieser nie dagewesenen Situation adäquat unterstützt werden?

Corona ist das alles bestimmende Thema

Mit dem vorliegenden Jahresbericht möchten wir einige dieser Fragen beantworten. Wir widmen uns sowohl der zahlenmäßigen Entwicklung beim Hilfetelefon als auch den Veränderungen und Herausforderungen, die die Corona-Pandemie für die Beratung mit sich bringt. Darüber hinaus schauen wir auf die Rahmenbedingungen, die erforderlich sind, um ein rund um die Uhr Angebot wie das Hilfetelefon auch in Krisenzeiten aufrecht zu erhalten. Fallbeispiele verdeutlichen die Bandbreite der Frage- und Problemstellungen, mit denen sich die Beraterinnen konfrontiert sehen. Sie zeigen auch, dass sich viele Menschen mit ihren Anliegen weit außerhalb des themenspezifischen Beratungsauftrages des Hilfetelefons bewegen.

Höchster Anstieg der Beratungen seit 2016

Mit rund 51.400 Beratungen nimmt das Beratungsaufkommen im Jahr 2020 um 15 Prozent zu – das ist der höchste Anstieg seit 2016. Die erhöhten Beratungszahlen sind jedoch bestenfalls ein Indiz und kein Beleg für eine tatsächliche Zunahme der Gewalt gegen Frauen, da sie immer nur die Beratungstätigkeit beim Hilfetelefon abbilden. Seit Beginn der Corona-Krise wird bundesweit verstärkt auf das Hilfetelefon als zentrale Erstanlaufstelle hingewiesen. Eine starke Präsenz in der Öffentlichkeit führt erfahrungsgemäß dazu, dass Menschen vermehrt unser Angebot nutzen.

Auch für die Öffentlichkeitsarbeit ist 2020 ein Jahr voller Unwägbarkeiten, in dem sich vieles, was geplant war, nicht umsetzen lässt. Es bieten sich jedoch gleichzeitig neue, unerwartete Chancen und Möglichkeiten, wie beispielsweise eine Kooperation mit dem Deutschen Apothekerverband. Auch darüber informieren wir in diesem Jahresbericht. Zum Abschluss des Jahresberichts präsentieren wir unsere statistische Auswertung, die ausführlich und anonym das Beratungsgeschehen dokumentiert.

Jahresbericht 2020 des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen" – PDF, 5,3 MB

Pressemitteilung anlässlich der Veröffentlichung des Jahresberichtes 2020 des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen" – PDF, 422 KB

Infografik "Acht Jahre Hilfetelefon ´Gewalt gegen Frauen´ " - PDF, 78 KB

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